Intelligenz an der Haustüre: Wie digitale Zugänge für das Wohnen der Zukunft eingeschätzt werden.

Der vierte Teil der ForeSight Akzeptanzstudie widmet sich dem Use Case „Intelligenter Gebäudepförtner“. Dieser regelt den Personen- und Lieferverkehr an Gebäudeeingängen und -übergängen und autorisiert berechtige Personen zum Eintritt in vordefinierte Bereiche. Das Fazit der Studie: Weniger Schlüssel, ein barrierefreier Zugang und erhöhtes Sicherheitsgefühl stehen der Sorge vor Datenmissbrauch und Missachtung der Privatsphäre gegenüber. Der digitale Zugang wird demnach vor allem für bekannte Personen unter der Voraussetzung befürwortet, dass die Zugangskontrolle durch die Bewohner einfach zu steuern ist.
Intelligenter Türöffner
KI-basierte Gesichts- und Mustererkennung: Mehrwert für Bewohner.

Der Intelligente Gebäudepförtner erkennt Mietende sowie autorisierte Gäste automatisch und kann ihnen Zugang zum Gebäude gewähren. Nicht legitimierte Personen können – ihrem Anliegen entsprechend – einen sicherheitsgeprüften Zugang zu den jeweiligen Sicherheitszonen erhalten oder abgelehnt werden. Der Pförtner respektiert dabei die Datensouveränität des Dateneigentümers und unterstützt daher auch klassische Zugangswege wie Schlüsselkarten und PIN Codes. Die Idee des praxisnahen Anwendungsfalls liegt beispielsweise in einem KI-basierten Zugangssystem für Mietende, dem Eintreffen eines Lieferdienstes oder dem Zugang für Gebäudedienstleister. Um die Praxistauglichkeit sicherzustellen, hat die vom SIBIS Institut für Sozial- Technikforschung durchgeführte Studie den Nutzen der verschiedenen Szenarien im Bereich „Intelligenter Gebäudepförtner“ bei Mietenden unterschiedlicher Altersgruppen und Haushaltstypen untersucht und die Akzeptanz mit qualitativen empirischen Erhebungsmethoden und quantitativen Bewertungen abgefragt. Im konkreten Fall ging es einerseits um die Akzeptanz der autonomen Türöffnung für bekannte Personen und andererseits um die Akzeptanz der autonomen Türöffnung für unbekannte Personen.

Autonomer Zugang für bekannte Personen trifft auf positive Akzeptanz

Die KI-basierte Gesichts- und Mustererkennung zur Realisierung der autonomen Türöffnung wird vor allem als ein Mehrwehrt für die Bewohnenden selbst sowie deren bekannte Personen gesehen. So wurde es sowohl von jüngeren als auch älteren Befragten als vorteilhaft eingestuft, weniger Schlüssel bei sich tragen zu müssen und Einkäufe nicht absetzen zu müssen. Familienhaushalte sahen den klaren Vorteil im barrierefreien Zugang zur Wohnung mit Kinderwagen und auch bei deren Kindern, die keinen Schlüssel mehr benötigen. Der Zugang zur Wohnung auf der KI-basierten Gesichtserkennung erhöhe auch das Sicherheitsgefühl in der Wohnung. Die Mehrheit der Befragten geht davon aus, dass digitale Zugänge nicht kopiert und an unautorisierte Personen weitergegeben werden können. Einen weiteren Vorteil sahen die Probandinnen und Probanden in dem leichteren Zugang zur Wohnung für bekannte Personen, Freunde oder Verwandte. Erfolgsentscheidend ist in diesem Zusammenhang aber eine intuitive Bedienung der Realisierung der Zugangskontrolle sowie eine einfache Handhabung der Erstellung und Löschung von Berechtigungen.

Intelligenter Türöffner
Erhöhtes Sicherheitsgefühl durch KI-basierte Gesichtserkennung.

Angst vor Datenmissbrauch, Missachtung der Privatsphäre und dem Zutritt unbefugter Dritter

Den positiven Aspekten des Intelligenten Gebäudepförtners stehen aber einige Sicherheitsbedenken gegenüber. Vor allem die Sorge um Datenmissbrauch biometrischer Daten sowie Zweifel gegenüber der Personenerkennung stehen dabei im Vordergrund. Dieser Problematik könnte laut der Befragten mit einem Nachweis der Vermietenden über eine rein lokale Speicherung der biometrischen Daten begegnet werden. Testimonials beispielsweise aus bekannten Unternehmen könnten ebenfalls das Gefühl von Erprobungserfahrung, Sicherheit und somit Vertrauen vermitteln. Eine weitere Akzeptanzbarriere liegt in der Befürchtung von Intimitätsverlust und Sicherheit im Gebäude. Die Hürde könnte durch eine Beschränkung der Zugangsberechtigungen für die Gebäudeeingangstür genommen werden. Im Hinblick einer autonomen Türöffnung für die eigene Wohnung wird ein Kontrollverlust gefürchtet. Die Diskutant*innen fordern in diesem Zusammenhang deshalb die Möglichkeit, den Einlass von bekannten Personen zeitlich beschränken zu können. Zudem könnte über eine manuelle Freigabe die Autonomie über die Zutrittserteilung auch aus der Ferne gewahrt bleiben. Eine Pushmitteilung auf ein mobiles Gerät, sobald eine Person die Wohnung betreten hat, erhöht zudem das Sicherheitsgefühl.

Autonomer Zugang für unbekannte Personen trifft auf Skepsis

Durchgängige Skepsis bis hin zur Ablehnung besteht gegenüber einer autonomen Türöffnung für unbekannte  Personen. Insbesondere die automatische Öffnung der Wohnungstür für haushaltsfremde Personen von Lieferdiensten oder Handwerksbetrieben wird fast durchgängig abgelehnt. Obwohl die Lieferung von Paketen bis in die Wohnung vielen Personen den Alltag erleichtern würde und somit tendenziell einen Nutzen hätte, führen Einschnitte in die Privatsphäre und eine mögliche Sicherheitsgefahr zu einer geringen Akzeptanz. Auch die Anwendung einer 3-fach Autorisierung (Zeitfenster, Ausweis, QR-Code) für unbekannte Personen zusammen mit der Rückmeldung der Zustellzeit erhöht das Vertrauen in den Use Case nicht. Die überwiegende Mehrheit der Befragten befürwortet aber den autonomen Einlass nicht vertrauter Personen in den Hauseingang. Für die Zustellung von Paketen wird eine Paketstation im Wohnhaus bevorzugt, bei dem Personen durch eine digitale Zutrittsgenehmigung in das Wohnhaus kommen, um in einer gesicherten Paketbox Lieferungen abzulegen ohne in die Privatwohnung zu gelangen.

"Man könnte leichter anderen Zugänge erteilen, ohne den Schlüssel kopieren oder austeilen zu müssen.“

Intelligenter Türöffner
Die Identitätsfeststellung unbekannter Personen stößt auf Skepsis.

Die Studienergebnisse führen dazu, dass die konkrete Umsetzungsplanung für die Demonstratoren der Anwendungsfälle angepasst wird. Auf den KI-gestützten Zugang unbekannter Personen in Wohnungen wird verzichtet und lediglich seine Funktion im Fall von Notfällen geprüft. Der Zugang zu halböffentlichen Bereichen wird dagegen vorangetrieben und für reale Tests verfügbar gemacht. Statt der Lieferung eines Pakets hinter die Wohnungstür wird nun die Lieferung in einen weniger privaten Lebensbereich umgesetzt.

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