Smart Service Studie untersucht Anforderungen an intelligente Services

Der DFKI Forschungsbereich „Smart Enterprise Engineering“ und Strategion haben im Rahmen von „ForeSight“ Unternehmen befragt, die für das Leben in smarten Wohngebäuden eine Rolle spielen können. Darunter die Wohnungswirtschaft, Softwareunternehmen und Hardwarehersteller. Zusammen untersuchten sie die Gegebenheiten in der Branche bei der Entwicklung von Smart-Living-Angeboten und beleuchtet, welche Anforderungen bei sogenannten Smart Services zu berücksichtigen sind. Noch tun sich Organisationen schwer damit, integrierte Angebote zu gestalten und den resultierenden Wert durch neue Geschäftsmodelle zu schöpfen. Die Studie ist ab sofort abrufbar.
Smart Service Studie

„Mit dieser Studie legen wir eine einmalige Bestandsaufnahme vor. Der Blick richtet sich erstmals nicht nur auf das einzelne Zuhause – das Smart Home – und die darin vorkommende intelligente Glühbirne oder das Thermostat, sondern wir nehmen ein ganzes Megaökosystem mit sämtlichen Anspruchsgruppen unter die Lupe. Unternehmen können mit solchen Einblicken ihre Prozesse besser gestalten und Geschäftsmodellpotenziale erkennen“, so Dr. Simon Hagen, Forscher am DFKI.

Die Ergebnisse zeigen unter anderem:

 

  • Konsumenten sehen den Nutzen noch nicht und verlangen messbare individuelle Mehrwerte. Befragte berichten von einer fehlenden Zahlungsbereitschaft bei den Konsumierenden. In der Rolle der privaten Nutzenden sind für sie Kosten-, Zeit- und Energieersparnisse bei Smart-Living-Angeboten ausschlaggebend.
  • Es fehlen gemeinschaftliche Entwicklungsprozesse bei und in den Unternehmen eines heterogenen Ökosystems. Standardisierte Vorgehensweisen sind bisher nur aus einzelnen Teilbereichen der Unternehmen, wie beispielsweise der Softwareentwicklung, bekannt. Eigene Abläufe für die Entwicklung von Smart-Living-Angeboten sind bei den Unternehmen bisher nicht vorhanden. Ein einheitliches Verständnis davon ist für Kooperationen jedoch erforderlich.
  • Kollaborationsbereitschaft ist gegeben, im Austausch von Daten sind Unternehmen noch zurückhaltend. Unternehmen erkennen, dass es für die Gestaltung von Smart-Living-Angeboten mehrerer Disziplinen bedarf und inhouse die Ressourcen fehlen. In Daten wird in der Branche ein Wert gesehen und beim Teilen dieser eine Gegenleistung erwartet.
  • Die Industrie hat es noch nicht geschafft, Bedenken zum Datenschutz ausreichend auszuräumen. Datenschutz ist laut den Befragten in der Branche ein Gütekriterium, das für die Akzeptanz und Verbreitung von Smart-Living-Angeboten relevant ist.
 

Die Studie ist in vier übergeordnete Themenbereiche gegliedert, die ein ganzheitliches Bild ermöglichen:

Smart Living: Das neue Megaökosystem
Das Wohnen von Morgen verspricht aus Sicht der Teilnehmenden der Studie intelligent, sicher, komfortabel und benutzerfreundlich zu sein. Zu den wesentlichen Herausforderungen für Smart-Living-Angebote zählen sie Internetzugang, den sicheren Umgang mit Daten und nützliche Software-Anwendungen. Bis heute hindern jedoch fehlende technologische Standards einzelne Geräte daran, miteinander zu kommunizieren und erschweren es Interessierten, die Vorteile eines vernetzten Zuhauses zu nutzen.  Damit das smarte Wohnen in der Breite Einzug finden kann und sich Smart-Living-Anbieter auf dem Markt etablieren können, müssen noch weitere Hürden überwunden werden.

Unternehmen müssen Mehrwertangebote für Kundinnen und Kunden schaffen und sie müssen sich fragen, wo dabei ein neues Geschäftsmodell liegen könnte. Mit Smart Services, also der richtigen Bündelung von Produkten, Diensten und Technologien, kann das gelingen. Dieses Zusammenspiel mehrerer Bestandteile, darunter auch KI, ergibt sich manchmal erst in Kooperation mit anderen Unternehmen. Klassische Unternehmen, wie zum Beispiel Vermieter von Wohneinheiten, bekommen auf diesem Weg die Möglichkeit, Mitgestalter der Smart-Living-Branche zu werden.

Prof. Oliver Thomas, Leiter TP 7 und Herausgeber der Studie. Tweet

Smart Service Engineering: Werkzeugkasten zur Entwicklung innovativer Angebote
Systematische Ansätze zur Gestaltung von Smart-Living-Services bieten Unternehmen eine methodische Grundlage, um die genannten Hürden zu überwinden. Diese sind bisher jedoch stark durch einzelne Domänen wie bspw. die Produkt- oder Softwareentwicklung geprägt. Die Ergebnisse zeigen jedoch, dass sie nur selten vollständig angwendet werden und die Schnittstellen zur interdisziplinären Zusammenarbeit ausgebaut werden müssen, um das in Smart Living notwendige gewerkeübergreifende Arbeiten bestmöglich zu unterstützen. Zudem müssen sollten sich die Methoden am Lebenszyklus der Angebote orientieren.

Die Stimme der Konsumierenden

Neben Unternehmensvertretern sind auch Konsumierende im Rahmen der Studie befragt worden. Sie sehen den größten Mehrwert von Smart-Living-Angeboten in den Bereichen Haustechnik, Gebäudesicherheit sowie Entertainment und Komfort und befürworten eine zentrale Anlaufstelle wie einen Smart-Living-Marktplatz, ähnlich einem „Appstore“. Dieser könnte einen einfachen Zugang und eine unkomplizierte Bereitstellung und Nutzung der Angebote ermöglichen.

Anwendungsbeispiel „Intelligenter Gebäudepförtner“

Anhand eines konkreten Beispiels aus dem ForeSight-Projekt, dem Intelligenten Gebäudepförtner, sind Mehrwerte und Bedenken der Befragten zu innovativen Angeboten untersucht worden. Dabei hat sich gezeigt, dass viele einen Nutzen der Anwendung sehen und die einfache Verwendbarkeit dabei eines der wichtigsten Merkmale ist. Die Bedeutung von datenschutzrechtlichen Aspekten ist jedoch als größte Hürde gesehen worden, was die Bedeutung von Offenheit, Transparenz und Sicherheit hervorhebt.

Die Studie kann hier heruntergeladen werden.

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