Nutzerstudie über Datenschutzfunktionen digitaler Assistenten

Digitale Assistenten wie Siri von Apple, Alexa von Amazon oder der Google Assistant benötigen personenbezogene Daten um dem Nutzenden „intelligent“ zu dienen. Nutzenden ist oft nicht bewusst wie und in welcher Form deren personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden. Ein Forscherteam der Goethe Universität Frankfurt untersuchte in einer repräsentativen Nutzerbefragung, wie die Datennutzung visuell ansprechend und verständlich erklärt werden kann. Es zeigte sich, dass eine visuelle Entscheidungs-Erklärung durch den Assistenten anhand der zugrundeliegenden Datenbasis gewünscht wird. Zeitgleich sollen Konsequenzen der Datennutzung aufgezeigt werden und die Interaktion spielerisch als ein sog. „Serious Game“ gestaltet sein.
Digitaler Assistent
© Frank Ebbers

Digitale Assistenten können mittels Sprachbefehl das Licht anschalten oder automatisiert die Heizung auf eine präferierte Temperatur einstellen, noch bevor die Bewohner dort ankommen. Damit diese Aufgaben automatisiert und personalisiert ausgeführt werden können, benötigen die Assistenten jedoch unter anderem personenbezogene Daten. Dies kann zu Bedenken hinsichtlich der Privatsphäre führen und zeigt, dass Datenschutzfunktionen ein wichtiger Bestandteil digitaler Assistenten sind.

Während sich frühere Arbeiten zum Thema Datenschutz von digitalen Assistenten eher mit technischen und organisatorischen Merkmalen beschäftigt haben, behandelt die ForeSight-Studie der Universität Frankfurt die Nutzerpräferenzen in Bezug auf die Interaktion mit den Datenschutzfunktionen eines digitalen Assistenten. Hierzu wurden drei Attribute untersucht, nämlich (1) die Menge an Informationen über persönliche Daten, die dem Nutzer angezeigt werden, (2) die Erklärbarkeit der Entscheidung des digitalen Assistenten und (3) der Grad der Gamifizierung der Benutzeroberfläche. Da der Schutz der Privatsphäre auch wirtschaftliche Auswirkungen hat, wurden zudem Zahlungsbereitschaften ermittelt.

Studienaufbau fokussiert auf die Interaktion mit den Datenschutzfunktionen 

Aus jeder Kategorie standen den Befragten drei Attribute zur Verfügung, aus denen sie wählen konnten.

1) Menge an Informationen:

  • Simple Darstellung der Datenschutzerklärung in Textform ohne weitere Bearbeitung.
  • Visuelle Erklärung der Informationsverarbeitung in Form von Bildern und Symbolen.
  • Vorausschauende Analyse darüber, was mit personenbezogenen Daten geschehen könnte.
 

2) Erklärbarkeit der Entscheidung:

  • Entscheidungen werden ohne Erklärung präsentiert.
  • Benutzer:innen erfahren Daten-Informationen, auf denen die Entscheidung beruht.
  • Benutzer:innen erfahren Daten-Informationen und eine Erklärung der zugrundeliegenden algorithmischen Berechnungen
 

3) Grad der Gamifizierung:

  • Ohne spielerische Elemente
  • Gamification, mit Spielelementen wie Punkten, Münzen und Errungenschaften
  • Serious Game, mit Interaktionen innerhalb einer ausgearbeiteten Spielwelt

„Datenschutzfunktionen in digitalen Assistenten könnten ein Unique Selling Point für deutsche Anbieter werden.“

Frank Ebbers, Goethe Universität Frankfurt Tweet
Grad der Gamifizierung: keine spielerischen Elemente (links), Gamification (Mitte) und Serious Game (rechts)
Grad der Gamifizierung: keine spielerischen Elemente (links), Gamification (Mitte) und Serious Game (rechts)

Die Auswertung der Nutzerstudie zeigte eine starke Präferenz für spielerische Elemente über jedes Alter und Geschlecht hinweg. Dass sich die Umsetzung solcher Elemente auch finanziell für Unternehmen lohnen kann, zeigt sich darin, dass Nutzer:innen bereit waren fast 24 Prozent – im Durchschnitt mehr als 21 Euro pro Monat – mehr zu zahlen als bei einer Option ohne spielerische Elemente.

Die Erkenntnisse der Studie belegen, dass es sich für Unternehmen lohnt, dass deren digitale Assistenten zukünftig mehr über deren Datennutzung informieren  und diese in verständlicher und visueller Art darstellen. So können auch datenschutz-sensible Nutzer:innen die Transparenz wertschätzen und sich eine noch weiter steigende Nutzung von Assistenzsystemen zeigen. So wäre es auch möglich, dass deutsche Hersteller mehr Wert auf Datenschutz legen und somit eine ernsthafte Konkurrenz für die Allgegenwart der amerikanischen Tech-Firmen werden.

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